Eine neue Studie zeigt, dass 18 % der Studierenden generative KI-Tools wie ChatGPT zur Unterstützung ihrer psychischen Gesundheit nutzen – und bei denjenigen, die unter schweren Depressionen, Angstzuständen oder aktiver Suizidalität leiden, verdoppelt sich die Rate. Dieser Befund wirft dringende Fragen zu Sicherheit, Verantwortlichkeit und den Auswirkungen auf unsere kognitive und emotionale Gesundheit auf.
Die Forschung: Wer hat was untersucht
Forscher unter der Leitung von Dr. Cindy H. Liu vom Mass General Brigham analysierten Daten der Healthy Minds Study 2024–2025, einer jährlichen Online-Befragung von US-amerikanischen Studierenden. Sie untersuchten die Antworten von 675 Studierenden zweier Hochschulen und fragten nach psychischen Symptomen und der Nutzung von KI zur emotionalen Unterstützung. Die Studie wurde im Journal of Affective Disorders veröffentlicht.
Wichtige Zahlen
- 18 % aller befragten Studierenden nutzten generative KI für psychische Gesundheit
- Studierende mit mittelschwerer bis schwerer Depression, schwerer Angst oder aktiver Suizidalität nutzten KI etwa doppelt so häufig
- Asiatische Studierende hatten eine etwa doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit der KI-Nutzung im Vergleich zu anderen
Das Muster offenbart, was Dr. Liu eine „Verwundbarkeitsumkehr“ nennt: Die kranksten Studierenden werden am ehesten zu ungeregelten digitalen Werkzeugen hingezogen. KI bietet ständige Verfügbarkeit, keine Ablehnung und bedingungslose Bestätigung – kann aber auch die reale emotionale Regulation untergraben und formelle klinische Versorgung ersetzen, insbesondere bei Personen mit eingeschränktem Zugang zu psychischen Gesundheitsdiensten.
Warum es für Ihr Gehirn wichtig ist
Die Nutzung von KI als Therapieersatz mag im Moment hilfreich erscheinen, kann aber die Fähigkeit des Gehirns, komplexe soziale Emotionen zu navigieren, Resilienz aufzubauen und Perspektivenwechsel zu lernen, kurzschließen. Dies sind Fähigkeiten, die durch echte menschliche Interaktion verfeinert werden, nicht durch algorithmisch generierte Empathie. Zudem mangelt es allgemeinen KIs an Krisenerkennung – sie könnten selbstverletzende Sprache nicht erkennen oder angemessen darauf reagieren.
Was Sie tun können
Wenn Sie KI zur emotionalen Unterstützung nutzen, behandeln Sie sie als Ergänzung, nicht als Ersatz für menschliche Verbindung. Kombinieren Sie sie bei Bedarf mit professioneller Hilfe und achten Sie darauf, wenn das Gespräch zu einfach oder bestätigend wirkt – Wachstum kommt oft aus Herausforderung, nicht aus Trost. Universitäten sollten zudem die KI-Nutzung auf dem Campus überprüfen und Krisenerkennung in alle von ihnen empfohlenen Tools einbauen.
Quelle: Neuroscience News
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