Eine neue Studie liefert biologische Belege dafür, dass harte Erziehung die Fähigkeit von Kindern zur Stressregulation beeinträchtigt. Die Forscher fanden heraus, dass Mütter ihren physiologischen Einfluss auf ihre Kinder mit zunehmendem Alter natürlicherweise reduzieren, aggressive Erziehung dieses Muster jedoch umkehrt und Kinder abhängiger von externer Regulation macht.
Die Forschung
Die unter der Leitung des Doktoranden Jianing Sun und Professorin Erika Lunkenheimer von der Penn State durchgeführte Studie wurde in Child Development veröffentlicht. Das Team beobachtete 68 Mutter-Kind-Paare während einer anspruchsvollen Puzzle-Aufgabe, als die Kinder 3-4 Jahre alt waren. Mithilfe von Messungen der respiratorischen Sinusarrhythmie (RSA) alle 30 Sekunden verfolgten sie die physiologische Koregulation in Echtzeit.
Die Ergebnisse zeigten, dass in einer risikoarmen Erziehung der physiologische Zustand der Mutter den Zustand ihres Kindes im nächsten Intervall vorhersagte, dieser Einfluss jedoch mit zunehmendem Alter der Kinder nachließ. In Umgebungen mit harter Erziehung – gekennzeichnet durch Schlagen, Anschreien oder psychische Aggression – kehrte sich dieses Muster um: Die Kinder wurden mit der Zeit abhängiger von der Regulation durch die Mutter. Kinder, die harter Erziehung ausgesetzt waren, zeigten zudem eine höhere „RSA-Trägheit“, was bedeutet, dass ihr Stresslevel deutlich länger brauchte, um nach einer Herausforderung zum Ausgangswert zurückzukehren.
Die Studie unterstreicht generationenübergreifende Verletzlichkeiten: Mütter, die in ihrer Kindheit Misshandlung erfahren haben, haben ein höheres Risiko für harte Erziehung, insbesondere wenn sie mit psychischen Symptomen, finanziellen Schwierigkeiten oder familiären Konflikten konfrontiert sind.
Warum es wichtig ist
Diese Ergebnisse zeigen, dass Erziehungsverhalten das Stressreaktionssystem eines Kindes biologisch prägen kann. Für Eltern unterstreicht dies die Bedeutung ruhiger und konsistenter Reaktionen, da selbst vorübergehende harte Interaktionen das sich entwickelnde autonome Nervensystem eines Kindes verändern können. Für Erwachsene, die über ihre eigene Kindheit nachdenken, mag dies erklären, warum manche Menschen mit Stressregulation kämpfen oder eine „starre“ Kampf-oder-Flucht-Reaktion haben.
Was Sie tun können
Wenn Sie ein Elternteil sind, konzentrieren Sie sich zunächst auf Ihre eigene Stressregulation. Einfache Atemübungen oder kurze Achtsamkeitsübungen können Ihnen helfen, in schwierigen Momenten ruhig zu bleiben. Für Erwachsene, die ihre Stressreaktion verbessern möchten, kann kognitives Training (wie Puzzles oder Gedächtnisspiele) die Selbstregulationsfähigkeiten fördern, obwohl mehr Forschung nötig ist.
Quelle: Neuroscience News
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