Neue Neuronen bei Singvögeln schlängeln sich nicht höflich um vorhandene Gehirnzellen – sie pflügen direkt hindurch. Diese Entdeckung von Forschern der Boston University könnte enthüllen, warum menschliche Gehirne nicht regenerieren: um unsere Erinnerungen vor Störungen zu schützen.
Die Forschung: Wie Neuronen Tunnel graben
Benjamin Scott, Assistenzprofessor an der Boston University, und sein Team nutzten hochauflösende Elektronenmikroskopie, um die Gehirne von Zebrafinken zu beobachten – kleinen australischen Singvögeln, die für ihr stimmliches Lernen bekannt sind. Sie sahen zu, wie neue Neuronen zu ihren Zielen wanderten, indem sie reife Zellen physisch zur Seite drückten – ein Verhalten, das die Forscher „Tunneling“ nennen. Die im Current Biology veröffentlichte Studie ergab, dass diese Neuronen keine glialen „Autobahnen“ nutzen; stattdessen bahnen sie sich ihren Weg durch dichtes Gewebe.
„Neue Neuronen im erwachsenen Gehirn verhalten sich wie Entdecker, die sich durch einen dichten Dschungel schlagen“, sagt Scott. Diese aggressive Migration wird auch bei einigen metastasierenden Krebszellen beobachtet, was auf einen gemeinsamen biologischen Mechanismus der Zellbewegung hindeutet.
Warum das für Ihr Gehirn wichtig ist
Anders als Zebrafinken stellen Menschen nach der Geburt keine neuen Neuronen mehr her – unser Gehirn ist im Wesentlichen „Version 1.0“. Scott vermutet, dass diese Einschränkung ein evolutionärer Kompromiss sein könnte: Ohne Neurogenese bleiben unsere Erinnerungen stabil. „Dieses potenziell störende Verhalten könnte erklären, warum Menschen nur eine begrenzte Fähigkeit haben, Hirngewebe zu regenerieren, was uns anfälliger für Alzheimer macht“, fügt er hinzu. Das Verständnis, wie Finken dieses Tunneling bewerkstelligen, könnte eines Tages zu Stammzelltherapien führen, die menschliche Gehirne reparieren, ohne bestehende Erinnerungen zu löschen.
Was Sie tun können
Obwohl Menschen keine Neuronen nachwachsen lassen können, können Sie die vorhandenen Gehirnzellen unterstützen. Regelmäßiges aerobes Training – 150 Minuten pro Woche – steigert den Brain-Derived Neurotrophic Factor (BDNF), der bestehende Neuronen schützt. Eine Ernährung reich an Omega-3-Fettsäuren (Lachs, Walnüsse) und Flavonoiden (Beeren, dunkle Schokolade) fördert ebenfalls die neuronale Gesundheit. Diese Gewohnheiten lassen keine neuen Zellen wachsen, aber sie können Ihre aktuellen Zellen stark halten.
Quelle: Neuroscience News
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