Neue Forschungsergebnisse der Georgetown University zeigen, dass das Gehirn bei ausreichendem Üben physisch umgebaut wird, sodass erlernte Aufgaben automatisch ablaufen und der präfrontale Kortex für andere Tätigkeiten freigegeben wird – was die lange vertretene Ansicht in Frage stellt, dass Menschen nur schnell zwischen Aufgaben wechseln, aber nicht wirklich Multitasking betreiben können.
Die Forschung
Wissenschaftler des Georgetown University Medical Center unter der Leitung des leitenden Autors Maximilian Riesenhuber, PhD, und des Erstautors Patrick Cox, PhD (jetzt an der Lehigh University), baten Freiwillige, mit einer Smartphone-App Tausende von veränderten Autoabbildungen in zwei Kategorien zu sortieren. Über 5 bis 10 Wochen hinweg absolvierten die Teilnehmer mehr als 30.000 Sortierdurchgänge. Vor und nach dem Training wurden ihre Gehirne mit fMRI und EEG gescannt.
Zu Beginn des Trainings aktivierte die Sortieraufgabe hauptsächlich den präfrontalen Kortex – das "Denkzentrum" des Gehirns, das Planung und bewusste Entscheidungsfindung steuert. Nach mehrwöchiger Übung verlagerte sich die Gehirnaktivität jedoch in den temporalen Kortex, eine Region, die an Gedächtnis und Objekterkennung beteiligt ist. Die Forscher beobachteten, dass sich im Temporallappen ein neues kategoriespezifisches Areal für Autos entwickelt hatte. Entscheidend war, dass Informationen aus diesem Bereich den präfrontalen Kortex umgehen und direkt zu reaktionsauslösenden Hirnregionen gelangen konnten. Dadurch wurde der präfrontale Kortex freigesetzt, um gleichzeitig andere Aufgaben zu bewältigen.
"Erfahrung formt das Gehirn um, um diesen frontalen Engpass zu umgehen", sagte Riesenhuber. Die Studie liefert direkte Längsschnittbelege dafür, wie das Gehirn sich bei Übung neu organisiert.
Warum das wichtig ist
Diese Entdeckung hat praktische Auswirkungen auf den Alltag. Sie legt nahe, dass das Erlernen einer neuen Fähigkeit bis zur Automatisierung – wie Autofahren, ein Instrument spielen oder auch Lernen – geistige Ressourcen für Multitasking freisetzen kann. Die Ergebnisse könnten auch erklären, wie Gewohnheiten entstehen, warum manche Verhaltensweisen schwer zu ändern sind und wie KI-Systeme besser aus früheren Erfahrungen lernen können.
"Wir haben einen weiteren Meilenstein im Verständnis davon, wie das Gehirn lernt", bemerkte Riesenhuber. Zum Beispiel kann ein Radiologe mit jahrelanger Erfahrung schnell Tumore auf Scans erkennen, während er gleichzeitig über andere Aspekte eines Falls nachdenkt.
Was Sie tun können
Möchten Sie Ihr Gehirn trainieren, um besser Multitasking zu betreiben? Konzentrieren Sie sich auf bewusstes Üben. Führen Sie dieselbe Aufgabe wiederholt aus – ob das Auswendiglernen von Fakten, das Lösen von Rätseln oder das Erlernen eines Instruments – bis sie automatisch abläuft. Nutzen Sie verteiltes Wiederholen und abwechslungsreiches Üben, um die neuronalen Schaltkreise zu stärken. Führen Sie dann nach und nach eine zweite Aufgabe neben der ersten ein.
Quelle: ScienceDaily Mind & Brain
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