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MRT bestätigt 150 Jahre altes Rätsel der Hirnfalte und verbindet es mit der Umgebung im Mutterleib

Ein internationales Team hat eine 150 Jahre alte anatomische Hypothese bestätigt: Eine seltene oberflächliche „Brücke“ über die Zentralfurche des Gehirns kommt bei etwa 0,8 % der Menschen vor und ist eine Ausstülpung normaler tiefer Hirnfalten.

Die Forschung

Im Jahr 1856 bemerkte der Göttinger Anatom Rudolf Wagner eine ungewöhnliche Verbindung oberhalb der Zentralfurche – der Furche, die Frontal- und Parietallappen trennt –, als er ein Gehirn untersuchte, von dem er glaubte, es gehöre dem Mathematiker Carl Friedrich Gauss. Zwanzig Jahre später durchsuchte der Wiener Anatom Richard Heschl mehr als 1.000 postmortale Gehirne und fand die Brücke in nur sechs Fällen (0,6 %). Er stellte die Hypothese auf, dass es sich um eine normale tief liegende Falte handelt, die gelegentlich so weit nach oben wächst, dass sie die Oberfläche erreicht.

Nun haben Forscher des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) und der Universität Göttingen unter der Leitung von Renate Schweizer Heschls Befunde mithilfe ultrahochauflösender MRT reproduziert. Bei der Analyse von 1.112 gesunden Erwachsenen aus dem Human Connectome Project fanden sie 9 Fälle der Brücke – eine Prävalenz von 0,8 %, was gut mit Heschls 0,6 % übereinstimmt. Mithilfe von 3D-Oberflächenrekonstruktionen bestätigten sie, dass die Brücke tatsächlich eine nach oben gerichtete Ausstülpung einer tiefen Falte ist.

Die in Brain Structure and Function veröffentlichte Studie brachte Schweizer, Anna M. Müllen und Julius Stropel den Replication Prize der Organization for Human Brain Mapping ein. Ein überraschender Zwillingsbefund trat zutage: Die Brücke trat bei 1,8 % der zweieiigen und 1,1 % der eineiigen Zwillinge auf – häufiger als in der Allgemeinbevölkerung. Da sie typischerweise nur bei einem Zwilling eines Paares auftrat, schloss das Team, dass sie nicht genetisch bedingt ist, sondern durch frühe Umweltfaktoren im Mutterleib geprägt wird, wie etwa Platzmangel oder Mikrostressoren.

Bemerkenswert ist, dass das ursprüngliche Gehirn von 1856 nicht Gauss, sondern dem Arzt C. H. Fuchs gehörte – eine Verwechslung, die 2013 von Schweizer gerade wegen der einzigartigen Brücke aufgedeckt wurde.

Warum es wichtig ist

Diese Forschung unterstreicht eine zentrale Erkenntnis für alle, die sich für Kognition interessieren: Nicht jede Hirnvariation ist genetisch oder pathologisch. Die überbrückte Zentralfurche ist eine harmlose anatomische Variante ohne bekannte kognitive Vor- oder Nachteile. Sie erinnert uns daran, dass die frühe Entwicklung – selbst im Mutterleib – dauerhafte physische Spuren im Gehirn hinterlassen kann, ohne die Funktion zu beeinträchtigen.

Für Lernende und Selbstverbesserer ist dies ein nützliches Gegenargument zur Vorstellung, dass Hirnstruktur Schicksal sei. Ihre kognitiven Fähigkeiten werden durch eine komplexe Mischung aus Biologie, Umwelt und Erfahrung geformt – und viele strukturelle Besonderheiten sind schlicht neutral. Evidenzbasiertes Gehirntraining und -testing können Ihnen helfen, Ihr eigenes kognitives Profil zu verstehen, ohne Angst vor seltenen Anomalien.

Was Sie tun können

  • Machen Sie sich keine Sorgen über seltene Hirnvariationen: Sie sind in der Regel harmlos.
  • Konzentrieren Sie sich auf Verhaltensweisen, die die Kognition unterstützen: Schlaf, Bewegung und das Erlernen neuer Fähigkeiten.
  • Machen Sie einen validierten kognitiven Test, um Ihre Stärken und Schwächen zu verstehen.

Quelle: Neuroscience News

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