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Zweisprachige Gehirne speichern Wörter auf einer gemeinsamen Karte

Zweisprachige Gehirne speichern Konzepte auf einer einzigen gemeinsamen semantischen Karte im Hippocampus und verwenden dabei separate Cluster sprachspezifischer Neuronen, um diese Karte auf Englisch oder Spanisch zu lesen – das ergibt eine am 24. Juni in der Fachzeitschrift Cell veröffentlichte Studie.

Die Forschung

Erstautor Xinyuan Yan und Kollegen am Baylor College of Medicine in Houston arbeiteten mit vier englisch-spanischen Zweisprachlern, die beide Sprachen seit ihrer frühen Kindheit sprachen. Alle vier hatten Epilepsie, und im Rahmen ihrer medizinischen Behandlung waren bereits Elektroden in ihren Gehirnen implantiert worden, was den Forschern ein seltener direkter Einblick in die Aktivität einzelner Neuronen ermöglichte.

Das Team zeichnete die Gehirnaktivität auf, während die Teilnehmer in beiden Sprachen zuhörten, lasen und sich unterhielten. Zu ihrer Überraschung reagierten nur wenige Neuronen im Hippocampus gleichermaßen auf dasselbe Wort in beiden Sprachen, etwa „dog“ und „perro“. Einzelne Neuronen erwiesen sich als weitgehend auf eine Sprache spezialisiert.

Doch die Neuronen agierten nicht allein. Sie organisierten sich in Gruppen, die Wörter auf einer bedeutungsbasierten Karte anordneten, wobei begrifflich ähnliche Wörter wie „dog“ und „wolf“ nahe beieinander lagen. Bemerkenswert ist, dass diese Karte sprachübergreifend geteilt wurde. Als die Forscher die neuronale Nachbarschaft rund um ein englisches Wort untersuchten, konnten sie genau vorhersagen, wo dessen spanische Übersetzung auf der spanischen Karte erscheinen würde. Die beiden Sprachen nutzen unterschiedliche neuronale Hardware, um einen gemeinsamen konzeptuellen Raum zu navigieren, was sie getrennt hält und dennoch reibungsloses Umschalten ermöglicht.

Das Team stellte außerdem fest, dass diese hippocampale Struktur stark großen mehrsprachigen KI-Modellen wie mBERT ähnelt, die über 100 Sprachen mithilfe gemeinsamer konzeptueller Räume abbilden.

Warum es wichtig ist

Diese Studie ist die erste, die die zweisprachige Verarbeitung auf der Ebene einzelner Neuronen in Echtzeit untersucht, und sie legt nahe, dass das menschliche Gehirn strukturell darauf vorbereitet sein könnte, mehrere Sprachen aufzunehmen. Sobald man ein Grundgerüst von Wortbeziehungen aufgebaut hat, kann dieses Gerüst auf neue Sprachen projiziert werden, ohne das Verständnis der Welt von Grund auf neu aufzubauen. Für alle, die eine zweite Sprache lernen, bedeutet das: Man fängt nicht von vorne an. Man fügt Konzepten, die man bereits besitzt, eine neue Route hinzu. Die gemeinsame Karte könnte auch erklären, warum Zweisprachige Sprachen so natürlich vermischen oder Wörter entlehnen können.

Was Sie tun können

  • Lernen Sie neuen Wortschatz, indem Sie ihn mit Konzepten verknüpfen, die Sie bereits kennen, statt isolierte Wortlisten auswendig zu lernen.
  • Gruppieren Sie beim Lernen verwandte Wörter nach Bedeutung, um die gemeinsame semantische Karte zu stärken.
  • Üben Sie, im selben Gespräch zwischen Sprachen zu wechseln, um den flexiblen Zugriff zu stärken.
  • Lesen und hören Sie regelmäßig in beiden Sprachen, um beide Gruppen von Sprachneuronen aktiv zu halten.

Quelle: Neuroscience News

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