Ihr Immunsystem kann Ihr Gehirn direkt verändern
Wenn Sie eine Erkältung oder Grippe haben, kommen zu den körperlichen Symptomen – verstopfte Nase, Fieber, Schüttelfrost – oft auch eine deutliche Veränderung der Psyche: leichte Depression, der Wunsch, sich zurückzuziehen, und ein starkes Krankheitsgefühl. Das ist kein Zufall. Laut einer neuen Studie der Universität Linköping sendet Ihr Immunsystem aktiv Signale an Ihr Gehirn, um diese Gefühle hervorzurufen.
Professor David Engblom und sein Team entschlüsseln seit Jahren, wie Entzündungen im Körper ins Gehirn gelangen und dessen Funktion verändern. Ihre Arbeit zeigt, dass bei einer Infektion oder chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder entzündlichen Darmerkrankungen Immunmoleküle über den Blutkreislauf wandern und die Blut-Hirn-Schranke durchbrechen. Im Inneren verändern sie, wie Neuronen feuern und wie Neurotransmitter wirken – was direkt die Niedergeschlagenheit, Müdigkeit und den sozialen Rückzug verursacht, die als Krankheitsverhalten bekannt sind.
Die Forschung, die mit dem größten Forschungspreis der Medizinischen Fakultät und Gesundheitswissenschaften ausgezeichnet wurde, hat weitreichende Bedeutung. Sie erklärt, warum Menschen mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen viel häufiger an Depressionen leiden als die Allgemeinbevölkerung. Durch die Identifizierung der spezifischen molekularen Wege eröffnet Engbloms Arbeit die Möglichkeit neuer Behandlungen, die diese Gehirnveränderungen blockieren könnten, ohne die Fähigkeit des Immunsystems zur Infektionsbekämpfung zu beeinträchtigen.
Warum das für Ihr Gehirn wichtig ist
Das Verständnis dieses Zusammenhangs ist entscheidend, da Entzündungen häufig vorkommen. Akute Infektionen treten mehrmals im Jahr auf, und chronisch-entzündliche Erkrankungen betreffen Millionen. Selbst kurzfristige Entzündungen können vorübergehend kognitive Funktionen wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Entscheidungsfindung beeinträchtigen. Für Menschen mit chronischen Erkrankungen kann dies eine ständige Belastung sein.
Die gute Nachricht: Diese Forschung bestätigt, was viele empfunden haben – dass Krankheit nicht nur den Körper, sondern auch den Geist beeinflusst. Sie weist auch auf zukünftige Therapien hin, die den mentalen Nebel und die mit Entzündungen verbundenen Depressionen lindern könnten.
Was Sie tun können
- Reduzieren Sie chronische Entzündungen durch Ernährung (Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien), Bewegung und Stressmanagement.
- Hören Sie während einer Krankheit auf Ihren Körper: Ruhe und sozialer Rückzug sind natürliche Reaktionen, die die Genesung unterstützen können.
- Wenn Sie an einer chronisch-entzündlichen Erkrankung leiden und unter Depressionen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber – neue gezielte Behandlungen könnten in Sicht sein.
Quelle: Neuroscience News
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