Forscher des Netherlands Institute for Neuroscience (NIN) und des Maastricht UMC kartieren die Hirnnetzwerke, die eine winzige Mittelhirnstruktur namens periaquäduktales Grau (PAG) regulieren – das Kommandozentrum für Abwehrreaktionen wie Kampf, Flucht oder Erstarrung. Ihr Ziel ist es, Echtzeit-fMRI-Neurofeedback-Therapien zu entwickeln, die Menschen mit PTSD und Angststörungen helfen könnten, chronische Übererregung zu dämpfen.
Die Forschung
Der Neurobiologe Alexander Heimel und Kollegen kombinieren zwei komplementäre Ansätze. In Amsterdam verwendet das NIN-Team Optogenetik und Kalzium-Bildgebung bei Mäusen, um die präzisen zellulären Schaltkreise zu identifizieren, die an der Furchtextinktion und Stresskontrolle beteiligt sind. In Maastricht nutzen Forscher ultrahochfeld 7-Tesla-fMRI, um zu testen, ob dieselben Netzwerke beim Menschen aktiv sind.
Das PAG ist außergewöhnlich klein und tief im Hirnstamm verborgen, was eine direkte Ansteuerung schwierig macht. „Das PAG ist im Wesentlichen das Kontrollzentrum für unsere Abwehrreaktionen“, erklärte Heimel. „Aber weil es so klein und tief im Gehirn liegt, suchen wir stattdessen nach den Hirnregionen, die das PAG regulieren. Diese Regionen könnten viel besser geeignet sein als Ziele, um Menschen beizubringen, ihre Stressreaktionen besser zu kontrollieren.“
Durch die Identifizierung der übergeordneten kortikalen und subkortikalen Regionen, die inhibitorische Signale an das PAG senden, zielt die Allianz darauf ab, biologische Ziele für Neurofeedback zu etablieren. In diesem Paradigma erhalten Patienten in einem 7T-Scanner Echtzeit-Visualisierungen ihrer eigenen übergeordneten Bedrohungsnetzwerk-Aktivität und lernen allmählich, überaktive Bedrohungsreaktionen bewusst zu dämpfen. Das Projekt integriert diese Dual-Fokus-Schaltkreisdaten auch in Ausbildungslehrpläne für Nachwuchspsychiater, Psychologen und klinische Forscher.
Warum es wichtig ist
Bei PTSD und Angststörungen kann das PAG wie ein unüberwachter Motor funktionieren, der kontinuierlich ohne seine normalen regulatorischen Bremsen läuft. Dadurch bleibt der Körper in einem Zustand ständiger Alarmbereitschaft, selbst wenn keine Bedrohung vorhanden ist. Durch die Kartierung der höheren Hirnregionen, die das PAG steuern, hoffen die Forscher, eine nicht-invasive, gezielte Therapie zu entwickeln, die über die Symptomkontrolle hinausgeht. Für alle, die neugierig auf ihr eigenes Gehirn sind, unterstreicht diese Arbeit, dass emotionale Regulation nicht nur eine Frage der Willenskraft ist – sie ist in spezifischen, messbaren neuronalen Schaltkreisen verwurzelt, die potenziell trainiert werden können. Das Verständnis dieser Bahnen könnte auch helfen, die Stigmatisierung stressbedingter Erkrankungen zu verringern, indem sie als biologische und nicht als persönliche Fehler dargestellt werden.
Was Sie tun können
Während 7T-Neurofeedback noch nicht in Kliniken verfügbar ist, können Sie die natürlichen Stressregulationssysteme Ihres Gehirns heute unterstützen. Praktiken wie langsame Zwerchfellatmung, Achtsamkeitsmeditation und regelmäßige aerobe Bewegung haben gezeigt, dass sie die Aktivität in Hirnregionen modulieren, die an Furcht- und Stresskontrolle beteiligt sind. Wenn Sie unter chronischer Angst oder Übererregung leiden, ziehen Sie in Betracht, einen Psychotherapeuten aufzusuchen, der Sie durch evidenzbasierte Ansätze wie kognitive Verhaltenstherapie oder Biofeedback führen kann.
Quelle: Neuroscience News
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