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Aphantasie zeigt: Abstraktes Denken braucht keine mentalen Bilder

Aphantasie zeigt: Abstraktes Denken braucht keine mentalen Bilder

Neue Forschung der Universität Tartu zeigt, dass Menschen mit Aphantasie – der völligen Unfähigkeit, mentale Bilder zu erzeugen – genauso gut über abstrakte Konzepte wie Geometrie, Moral und Mathematik nachdenken können wie jeder andere. Das stellt David Humes Theorie aus dem 18. Jahrhundert, dass abstraktes Denken ein konkretes mentales Bild erfordert, direkt in Frage.

Die Forschung

In einem in Neuropsychologia (Juli 2026) veröffentlichten Artikel demontieren die außerordentlichen Professoren Uku Tooming und Roomet Jakapi von der Universität Tartu systematisch die klassische Sichtweise, dass Denken ein „sensorisches Theater“ brauche. Sie verweisen auf schwere Aphantasiker, die in allen Sinnesmodalitäten – Sehen, Hören, Tasten, Schmecken – völlig blind sind, aber dennoch fehlerfrei Geometrieprobleme lösen, Gesichter erkennen und über Ethik nachdenken. Die Forscher lehnen die Idee ab, dass diese Personen auf nicht-visuelle Sinne angewiesen sein könnten, da auch multimodale Aphantasiker keinerlei sensorische Bilder haben. Sie widerlegen auch die Vorstellung von unbewussten Bildern und verweisen auf neuropsychologische Studien, die eine völlige Abwesenheit von bewussten und unbewussten Bildern zeigen. Schließlich stellen sie fest, dass Aphantasiker ein räumliches Gefühl für Anordnung ohne sensorischen Reichtum nutzen können, aber dies erfüllt Humes Anforderung nicht, dass Konzepte lebendigen sensorischen Inhalt haben müssen.

Warum es wichtig ist

Diese Forschung legt nahe, dass die menschliche Kognition flexibler ist als von Philosophen angenommen. Wenn du Schwierigkeiten mit mentalen Bildern hast, bedeutet das nicht, dass du weniger zu abstraktem Denken fähig bist. Für typische Vorsteller deutet es darauf hin, dass dein Gehirn möglicherweise separate, nicht-sensorische Bahnen für komplexes Denken nutzt – was bedeutet, dass Visualisierung nur ein Werkzeug ist, keine Notwendigkeit. Dies zu verstehen, kann Ängste über den kognitiven Stil reduzieren und Menschen ermutigen, verschiedene Denkweisen zu erkunden.

Was du tun kannst

Versuche zu bemerken, wie du denkst: Siehst du mentale Bilder, hörst du innere Stimmen oder erfasst du Konzepte direkt? Experimentiere mit abstrakten Problemen (z.B. Geometrierätsel, ethische Dilemmata) mit verschiedenen Strategien. Wenn Visualisierung schwierig erscheint, mach dir keine Sorgen – dein Gehirn hat wahrscheinlich alternative Wege.

Quelle: Neuroscience News

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