Eine neue Studie zeigt, dass traumähnliche Gedanken nicht nur im Schlaf auftreten. Tatsächlich kann Ihr Gehirn in eine 'Traumerzählung' abgleiten, selbst wenn Sie völlig wach sind, so Forscher des Pariser Hirninstituts.
Die Forschung
Wissenschaftler unter der Leitung von Delphine Oudiette und dem Erstautor Nicolas Decat untersuchten 92 Teilnehmer, während sie in den Schlaf übergingen. Mit einem experimentellen Aufbau, der von Thomas Edison inspiriert war, hielten die Teilnehmer eine Flasche, die beim Einschlafen herunterfiel und sie im genauen Moment des Schlafbeginns weckte, um ihre unmittelbaren Gedanken zu berichten. Ein KI-Algorithmus analysierte diese Berichte und identifizierte vier verschiedene mentale Zustände:
- C1: Flüchtige, isolierte Erinnerungen.
- C2: Hohe Verbindung zur äußeren Umgebung (z.B. Straßengeräusche, Raumtemperatur).
- C3: Der 'Traumzustand' – bizarr, lebendig und spontan (z.B. 'Aliens' oder 'Ameisen auf Kreuzworträtseln').
- C4: Zielorientiert, willentliche Kontrolle (z.B. den morgigen Terminplan planen).
Überraschenderweise traten alle vier Zustände, einschließlich des bizarren C3-Zustands, bei vollem Wachbewusstsein, beim Einschlafen und im leichten Schlaf auf. Das bedeutet, Sie können im Wachzustand 'träumen' und im Schlaf 'planen'. Der traumähnliche Zustand hat eine spezifische neuronale Signatur: eine verringerte Konnektivität zwischen den frontalen (logisches Denken) und okzipitalen (visuelles Sehen) Regionen des Gehirns, wodurch visuelle Gedanken ohne logische Kontrolle 'wild laufen' können.
Warum es wichtig ist
Diese Forschung stellt die traditionelle Trennung zwischen Schlaf und Wachsein in Frage. Sie bietet auch Einblicke in Zustände wie paradoxe Schlaflosigkeit, bei der Menschen das Gefühl haben, nicht geschlafen zu haben, obwohl klinische Beweise vorliegen. Diese Personen verbringen möglicherweise einfach zu viel Zeit im umgebungsverbundenen C2-Zustand, sodass sich Schlaf wie Wachsein anfühlt. Das Verständnis dieser Zustände könnte zu besseren diagnostischen Werkzeugen und Behandlungen für Schlafstörungen führen.
Was Sie tun können
Achten Sie auf Ihre eigenen mentalen Zustände im Laufe des Tages. Beobachten Sie, wann Ihr Geist in bizarre Gefilde abwandert – das ist der 'Traummodus' Ihres Gehirns, der an die Oberfläche kommt. Wenn Sie Probleme mit der Schlafwahrnehmung haben, versuchen Sie Achtsamkeitsübungen, um Ihr Bewusstsein für Ihren tatsächlichen Schlafzustand zu schärfen.
Quelle: Neuroscience News
Neugierig auf Ihr eigenes Gehirn? Machen Sie unseren kostenlosen adaptiven IQ-Test oder versuchen Sie 306 Gehirntrainings-Level.