Bei komplexen strategischen Entscheidungen kann längeres Nachdenken Ihre Entscheidungen tatsächlich verschlechtern. Eine neue Studie über professionelle Schachspieler offenbart ein überraschendes Paradoxon: Wenn die objektive Schwierigkeit eines Problems konstant gehalten wird, sind schnellere Entscheidungen im Durchschnitt von höherer Qualität.
Die Forschung
Die Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift PNAS, wurde von Forschern der LMU, der Erasmus-Universität Rotterdam und der UniDistance Schweiz durchgeführt, darunter der Verhaltensökonom Uwe Sunde. Sie analysierten Daten von professionellen Schachturnieren und untersuchten einzelne Züge und die Zeit, die die Spieler dafür aufwendeten. Um die Entscheidungsqualität objektiv zu messen, verglichen sie jeden Zug mit Benchmarks von hochmodernen Schachengines – leistungsstarken Computerprogrammen, die den besten möglichen Zug in jeder Stellung bewerten können.
Das wichtigste Ergebnis: Schnellere Züge waren mit einer höheren Entscheidungsqualität verbunden, selbst nach Berücksichtigung der rechnerischen Komplexität des Brettes, der Unterscheidbarkeit alternativer Züge und des gesamten Zeitdrucks. Mehr Zeit zum Nachdenken war mit schlechteren Ergebnissen korreliert. Die Forscher vermuten, dass längeres Überlegen oft eine subjektive Wahrnehmung von Schwierigkeit widerspiegelt und darauf hindeutet, dass der Spieler an eine kognitive Grenze gestoßen ist. Wenn die Intuition eine Situation nicht sofort erfasst, fällt es dem menschlichen Gehirn schwer, rational zu kalkulieren, was zu abnehmenden Erträgen und mehr Fehlern führt.
Warum es wichtig ist
Das betrifft nicht nur Schach. Das Phänomen gilt wahrscheinlich für jede Umgebung mit hohem Einsatz und komplexen Entscheidungen – von der Unternehmensstrategie bis zum Notfallmanagement. Die Studie stellt die allgemeine Annahme in Frage, dass mehr Zeit immer zu besseren Entscheidungen führt. Stattdessen unterstreicht sie die Kraft intuitiver, schneller Entscheidungen. Sie legt auch nahe, dass übermäßiges Grübeln ein Zeichen dafür sein könnte, dass man mit einem Problem konfrontiert ist, das die aktuelle kognitive Kapazität übersteigt, und weitere rationale Analyse möglicherweise nicht hilft.
Was Sie tun können
Obwohl diese Forschung keine spezifische Entscheidungsstrategie vorschreibt, gibt es umsetzbare Erkenntnisse. Erstens: Üben Sie Entscheidungen in Ihrem Fachgebiet, um Ihre Intuition zu stärken. Zweitens: Seien Sie sich bewusst, wenn Sie überdenken – wenn eine Entscheidung extrem schwierig erscheint, treten Sie einen Schritt zurück oder zerlegen Sie sie in kleinere Teile, anstatt eine längere Analyse zu erzwingen. Denken Sie schließlich daran, dass Intuition, die durch Erfahrung entwickelt wurde, ein wertvolles kognitives Werkzeug ist; verwerfen Sie sie nicht zugunsten endlosen Überlegens.
Quelle: Neuroscience News
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