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Neurowissenschaft: Theorie des 'prädiktiven Gehirns' erinnert an Freud, wie neue Studie zeigt

Das führende Modell der modernen Neurowissenschaft darüber, wie das Gehirn funktioniert, könnte eine Idee einholen, die Sigmund Freud vor mehr als 130 Jahren vorgeschlagen hat – so eine neue Studie, die in der Fachzeitschrift Entropy veröffentlicht wurde.

Die Forschung

Die Forscher Erik Stånicke, Bendik Hovet, Line Indrevoll Stånicke und Kollegen vom Institut für Psychologie der Universität Oslo verglichen zwei scheinbar weit voneinander entfernte Rahmenwerke: das Prädiktionsparadigma in der kognitiven Neurowissenschaft und Kernkonzepte der Psychoanalyse.

Das Prädiktionsparadigma besagt, dass das Gehirn ständig Erwartungen darüber erzeugt, was als Nächstes passieren wird, und diese Erwartungen dann aktualisiert, indem es sie mit eingehenden Sinnesinformationen vergleicht. Dieser Prozess, so glauben Wissenschaftler, formt Wahrnehmung, Verhalten und emotionale Regulation.

Das Osloer Team argumentiert, dass dies im Wesentlichen dasselbe mentale Phänomen ist, das Psychoanalytiker seit über einem Jahrhundert auf subjektiver Ebene beschrieben haben. Wie Stånicke es ausdrückte: „Seit über 130 Jahren entwickelt die Psychoanalyse psychologische Theorien darüber, wie Vorhersagen auf subjektiver Ebene stattfinden, was die kognitive Neuropsychologie nun auf physiologischer Ebene untersucht.“

Eine auffällige Parallele betrifft die Projektion – die psychoanalytische Idee, dass wir unsere eigenen Gefühle oder Erwartungen anderen zuschreiben. Die Forscher verbinden dies mit der prädiktiven Maschinerie des Gehirns. „Wenn wir anderen Menschen Eigenschaften, Absichten oder Gefühle zuschreiben, formt unser Gehirn unsere Erfahrung der Welt im Einklang mit etablierten Erwartungen“, sagte Stånicke. Dies entspricht dem, was Neurowissenschaftler als perzeptuelle Inferenz (Veränderung unserer Vorhersagen) versus aktive Inferenz (der Versuch, die Welt an sie anzupassen) bezeichnen.

Beide Rahmenwerke beschreiben den Geist auch als nach Stabilität strebend – eine Art psychologische Homöostase. Das Gehirn reduziert Unsicherheit, indem es sich auf bestehende Erwartungen stützt, selbst wenn diese Erwartungen schlecht angepasst sind. Stånicke merkt an, dass starre Symptome wie paranoide Ideen oder eine verinnerlichte kritische Stimme „stabile, aber nicht sehr flexible Vorhersagemodelle sein können“. Jemand, der automatisch Kritik erwartet, könnte beispielsweise neutrale Situationen durch diesen Filter interpretieren, selbst wenn die Realität dies nicht rechtfertigt.

Warum es wichtig ist

Diese Konvergenz ist nicht nur akademisch. Wenn anhaltende mentale Muster im Wesentlichen unflexible Vorhersagen sind, die im prozeduralen Gedächtnis gespeichert sind – nicht nur bewusste Überzeugungen –, hilft dies zu erklären, warum nachhaltige psychologische Veränderungen Zeit brauchen und oft neue Beziehungserfahrungen erfordern, nicht nur Einsicht. Für jeden, der sich für die eigene Kognition interessiert, lautet die Erkenntnis: Ihr Gehirn ist kein passiver Aufzeichner der Realität. Es ist eine aktive Vorhersagemaschine, und diese Vorhersagen werden von Ihrer Geschichte geformt.

Was Sie tun können

  • Beachten Sie Ihre Erwartungen. Wenn Sie eine starke emotionale Reaktion verspüren, fragen Sie sich, welche Vorhersage Ihr Gehirn getroffen hat – und ob die Beweise sie stützen.
  • Suchen Sie widerlegende Erfahrungen. Setzen Sie sich bewusst Situationen aus, die gewohnten Erwartungen widersprechen; so können starre Vorhersagen allmählich aktualisiert werden.
  • Üben Sie Perspektivwechsel. Sich daran zu erinnern, dass andere ihre eigenen Vorhersagemodelle haben, kann automatische Projektionen abschwächen.
  • Seien Sie geduldig mit Veränderungen. Tief verwurzelte Muster leben im prozeduralen Gedächtnis und verändern sich langsam – konsequente Übung ist wichtiger als einmalige Einsichten.

Quelle: ScienceDaily Mind & Brain

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