Eine neue Langzeitstudie mit über 6.000 Kindern zeigt, dass diejenigen mit hohem genetischen Risiko für Schizophrenie in der frühen Adoleszenz eine Abnahme der frontalen Hirnoberfläche erleben, während Gleichaltrige ein Wachstum aufweisen. Diese dynamische Divergenz könnte einen frühen Marker für Schizophrenie Jahre vor dem Auftreten von Symptomen darstellen.
Die Forschung
Veröffentlicht in Biological Psychiatry von Elsevier, analysierte die Studie Daten aus der Adolescent Brain Cognitive Development (ABCD) Study und der Generation R Study, insgesamt 6.228 Teilnehmer europäischer Abstammung im Alter von 9 bis 14 Jahren. Die Forscher sammelten über mehrere Jahre 9.720 Gehirnbilder mittels MRT-Scans, kombiniert mit genetischen Daten, um polygene Risikoscores für Schizophrenie zu berechnen.
Der leitende Forscher Henning Tiemeier, MD, PhD (Harvard T.H. Chan School of Public Health) und Kollegen fanden heraus, dass Kinder mit niedrigem genetischen Risiko erwartungsgemäße Zunahmen der kortikalen Oberfläche in den kaudalen mittleren und superioren frontalen Regionen während der frühen Adoleszenz zeigten. Im Gegensatz dazu zeigten diejenigen mit hohem genetischen Risiko Abnahmen in denselben Regionen, eine starke Abweichung von der normalen Entwicklung.
Wichtig ist, dass genetische Risiken für ADHS und Bildungsniveau mit statischen Unterschieden in der Gehirngröße verbunden waren, aber nur das Schizophrenierisiko war mit einer dynamischen Veränderung im Laufe der Zeit verbunden – einer echten Divergenz. Die Studie konzentrierte sich auf die Oberfläche anstatt auf die kortikale Dicke, da diese genetisch unterschiedlich sind und verschiedenen Entwicklungswegen folgen.
Warum es wichtig ist
Schizophrenie tritt typischerweise im jungen Erwachsenenalter auf, aber diese Ergebnisse unterstützen die neurodevelopmental Theorie: Genetische Veranlagung formt das Gehirn fast ein Jahrzehnt früher um. Das bedeutet, dass Personen mit hohem Risiko bereits im Alter von 9 bis 14 Jahren beobachtbare Veränderungen der Gehirnstruktur zeigen, was ein Fenster für frühe Interventionen bietet. Das Verständnis des eigenen genetischen Risikos könnte mit Fortschritten bei polygenen Tests möglich werden, aber vorerst zeigt die Studie, wie die Gehirnentwicklung sowohl durch Gene als auch durch Umwelt geformt wird.
Was Sie tun können
Sie können Ihr genetisches Risiko nicht ändern, aber Sie können eine gesunde Gehirnentwicklung durch Lebensstilfaktoren unterstützen: regelmäßige Bewegung, guter Schlaf, ausgewogene Ernährung und kognitive Aktivität. Gehirntrainingsplattformen wie iqgenio bieten evidenzbasierte Übungen, die helfen können, präfrontale Funktionen zu stärken – genau die Regionen, die in dieser Studie betroffen sind.
Quelle: Neuroscience News
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