Was macht einen Menschen kreativer als einen anderen? Eine neue Studie des Pariser Instituts für Gehirnforschung hat eine bestimmte Gehirnregion identifiziert, die als Brücke zwischen unserem spontanen Tagträumen und unserem fokussierten logischen Denken fungiert. Der Schlüssel zur Kreativität liegt nicht darin, wie sehr diese Netzwerke überlappen, sondern wie deutlich und gut verbunden sie sind.
Die Forschung
Unter der Leitung des Neurologen Victor Altmayer und der Co-Leiterin Emmanuelle Volle untersuchte die Studie 27 Patienten mit der Verhaltensvariante der frontotemporalen Demenz und 29 gesunde Kontrollpersonen. Mithilfe der funktionellen Konnektivitätsgradientenanalyse kartierten die Forscher den rostralen präfrontalen Kortex – der sich ganz vorne im Gehirn befindet. Sie fanden heraus, dass dieser Bereich als allmähliche Übergangszone zwischen dem Default Mode Network (DMN), das spontane Assoziationen verarbeitet, und dem Executive Control Network (ECN), das für zielorientiertes Denken zuständig ist, dient.
Der funktionelle Gradient misst die „Distanz“ zwischen diesen beiden Netzwerken. Bei gesunden Personen sagte eine größere Gradientenamplitude höhere Kreativitätswerte voraus. Bei Demenzpatienten war dieser Gradient komprimiert, was bedeutete, dass ihr Gehirn die Unterscheidung zwischen spontanem und beabsichtigtem Denken verlor, was ihre Fähigkeit, alltägliche Probleme kreativ zu lösen, stark beeinträchtigte.
Warum es wichtig ist
Diese Forschung fordert die alte Vorstellung heraus, dass das DMN nur zum Tagträumen dient. Stattdessen zeigt sie, dass das DMN während der absichtlichen kreativen Arbeit aktiv ist und dabei hilft, Erinnerungen abzurufen und neu zu organisieren, um neue Ideen zu bilden. Kreativität ist nicht nur etwas für Künstler – sie ist ein Überlebenswerkzeug, das uns hilft, uns an soziale Veränderungen anzupassen und gewöhnliche Probleme zu lösen. Das Verständnis dieser Brücke könnte zu besseren Therapien für neurodegenerative Erkrankungen und neuen Wegen zur Steigerung des kreativen Denkens führen.
Was Sie tun können
Um Ihre Kreativität zu steigern, engagieren Sie sich in Aktivitäten, die beide Netzwerke aktivieren: Wechseln Sie zwischen fokussierter Arbeit (wie Schreiben oder Programmieren) und offenem Tagträumen (wie einem Spaziergang ohne Ziel). Das Üben von Brainstorming oder freien Assoziationsübungen kann ebenfalls die Verbindung zwischen Ihrem DMN und ECN stärken.
Quelle: Neuroscience News
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